Reitervereinigung Biberach e.V.
Reitervereinigung Biberach e.V.

50 Jahre Reitervereinigung Biberach

Ein Auszug aus unserer Vereinschronik. Vom Beginn an bis ca. 2005.

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Bis hierhin hat Fritz Kolesch (V) die Chronik verfasst. Mal schauen, wer weiter macht?

Ein Auszug aus unserer Chronik:

Teil 1 » So fing’s an

Im Jahr 1950 beging man in Biberach die 700-Jahr-Feier der Stadt. Das Datum dieses Festes stand auf etwas unsicheren Füßen, aber man wollte einfach nach den Schreckensjahren des 2. Weltkrieges und nach den Hungerjahren der Besatzungszeit wieder ein ganz großes historisches Fest feiern, das von den Bürgern der Stadt und von der Bevölkerung der ganzen Region getragen wurde.
 

Zu diesem Zweck gründete man im Jahr 1949 den Reit- und Fahrverein Biberach e.V., denn für ein historisches Fest brauchte man natürlich viele Reiter. Bei diesem unvergesslichen Ereignis wirkten dann tatsächlich über 300 Pferde mit, teils unter dem Reiter, teils als Fahrpferde. Für die Führung des neuen Reit- und Fahrvereins hatte sich eine Anzahl hoch angesehener Persönlichkeiten zur Verfügung gestellt. Erster Vorsitzender wurde der berühmte Chirurg und Arzt Dr. Wilhelm Dörfler, sein Stellvertreter Julius Mühlschlegel von der Oberen Mühle, ein in Biberach allseits bekannter Mann und Mitglied des Stadtrats. Mit an der Spitze stand Ferdinand Dünkel, Unternehmer von der Eichelsteige.


Der junge Verein florierte einige Jahre wunderbar. Dann zog der schon betagte Dr. Dörfler in sein Altersdomizil nach Langenargen, Julius Mühlschlegel starb 1963 viel zu früh, Ferdinand Dünkel zog sich zurück. An die Spitze des Vereins traten einige sehr ehrgeizige und streitbare Leute. Dazu kam das Unglück, dass sich die Pferde bei einem Turnier in Bayern mit der gefährlichen Pferdekrankheit „Rotz“ infiziert hatten, worauf der gesamte Bestand auf amtliche Anordnung getötet werden musste.


Der junge Fritz Kolesch übernahm mit 25 Jahren die Führung des Vereins. Er bemerkte zu spät, dass außer Schulden eigentlich nichts mehr vorhanden war. Mit großer Mühe gelang ihm deren Beseitigung, danach blieb nichts anderes übrig als den Reit- und Fahrverein im Jahr 1955 aufzulösen. Für ein paar Jahre war nun in Biberach in puncto Reiterei nichts mehr geboten. Aber es gab viele jüngere Leute, die gerne den Pferdesport betrieben hätten. Die Stadtverwaltung und der Gemeinderat standen der Sache positiv gegenüber.

Im Frühjahr 1958 fand eine Versammlung im damaligen Gasthaus zur Laute statt. Als Vertreter des Gemeinderats war Stadtrat August Neff erschienen. Er setzte sich dafür ein, dass die Reiter die Stallungen des ehemaligen Stadthofs im Gaisental erhielten, dazu das anschließende Gelände davor, jetzt eine Wiese, aber ehemals ein Auffüllplatz. Dort wurde – auch mit viel Eigenarbeit – ein offener Reitplatz geschaffen. Durch entsprechende Beleuchtung konnte man diesen auch bei Nacht benutzen. Es fehlte aber noch eine Reithalle, in der man auch bei Schnee und Regen reiten konnte. Eine behelfsmäßige Reithalle wurde durch die Fürsprache von Oberst a. D. Anton Butz in der Kaserne der Bereitschaftspolizei zur Verfügung gestellt.


Den provisorischen Vorsitz übernahm Fritz Kolesch, als Kassier fungierte Hans Heinrich Pfeifer. Es fehlte aber der wichtigste Mann: der Reitlehrer. Dafür konnte Lorenz Hagel aus Sulmingen gewonnen werden, der qualifizierteste Mann, der durch seine überragenden reiterlichen Kenntnisse im weitesten Umfeld zur Verfügung stand. Er hatte als ehemaliger Artillerieoffizier die Heeresreitschule und die Heeresfahrschule in Hannover durchlaufen und war zum deutschen Olympia-Kader für 1940 vorgesehen gewesen, aber diese Olympiade fiel wegen der Kriegsereignisse vollkommen aus. Lorenz Hagel hatte übrigens schon beim aufgelösten Reit- und Fahrverein den Unterricht erteilt.

Nun waren die wichtigsten Posten besetzt, aber noch fehlten die Pferde. Geld war knapp in der damaligen Zeit, und so war man froh, von einem etwas dubiosen Rosshändler aus Illertissen 5 Pferde auf der Basis der Ausleihe zu bekommen. Der alte Kutscher des Herzogs von Württemberg in Altshausen, Reinhold Buck, konnte als Pferdepfleger eingestellt werden. Nun konnte der Reitbetrieb beginnen und er florierte von Anfang an sehr gut. Reitunterricht für die Jugendlichen, bis in den späten Abend hinein auch für die Erwachsenen. Von Beginn an wurde auch großer Wert auf die Pflege der Kameradschaft gelegt. Nach dem Reiten fuhr man hinunter in die Stadt und war fröhlich bei einem Bier oder bei einem Viertele Wein.

 

Teil 2 » Aufbauzeit

Der Verein musste nun den rechtlichen Erfordernissen genügen, eine Satzung musste beschlossen werden. Man taufte die neue Organisation „Reitervereinigung Biberach e.V.“, um sich von dem alten hochverschuldeten „Reit- und Fahrverein Biberach e.V.“ deutlich abzusetzen. Es wurden all die notwendigen Ämter geschaffen: Erster und Zweiter Vorsitzender, Schatzmeister. Es wurde ein Ausschuss bestellt. Das oberste Organ blieb die Mitgliederversammlung, die in der Regel einmal im Jahr tagt. Die Reitervereinigung konnte nun in das Vereinsregister eingetragen werden.


Die Obere Mühle gab um diese Zeit herum ihre Landwirtschaft auf. Die Reitervereinigung übernahm daher die Ponyherde der Schützendirektion. Bis zum heutigen Tag sind die Shetland- Ponys in der Betreuung der Reitervereinigung, liebevoll gepflegt von den Pony-Mädchen unter der Aufsicht von Rudolf Müller, danach von Helga Roser und schließlich von Paul Baur.


Die neue Vereinsleitung legte von Anfang an Wert auf eine solide Finanzwirtschaft, um nie wieder in einen zweifelhaften Ruf zu kommen wie der alte Reit- und Fahrverein. Und so ist es geblieben bis zum heutigen Tag. Nun ergab sich sehr bald das Problem einer vereinseigenen Reithalle, denn bei dem wachsenden Verkehr konnte es auf Dauer keine Möglichkeit bleiben, dass unsere jungen Reiter bei Nacht und Nebel die Pferde vom Gaisental in die Polizeikaserne ritten.


Die Stadt stellte uns neben dem Reitstall das Gelände zur Verfügung und bewilligte 30.000 DM als Zuschuss. Außerdem wurde unter den Mitgliedern eine Sammlung veranstaltet. Eine Ausschreibung ergab: Eine Holzkonstruktion mit einer Eternit-Verkleidung war die preiswerteste Lösung. Die Holzfirma Härle erhielt den Auftrag, eine Halle 20 x 40 m in Leimbinder- Bauweise zu erstellen. Nun kam aber der Prüfstatiker und verlangte ein gewaltiges Beton-Fundament. Außerdem benötigte man: eine Sattelkammer, Toiletten, eine kleine Wohnung für den Pferdepfleger, Platz für das Unterstellen der Hindernisse. Ein zukünftiges Reiterstüble war mindestens vom Fundament her vorzusehen.


Die Kosten liefen uns davon. Trotzdem hatten wir den Mut, mit dem Bau zu beginnen. Ein sehr früh einbrechender und besonders strenger Winter erschwerten den Fortgang der Arbeiten. Es war das Jahr 1962 und im Januar 1963 wollten wir unsere neue Reitanlage in Betrieb nehmen. So geschah es auch. Bei ca.–20 Grad Kälte eröffneten wir mit einem etwa zwei Stunden dauernden Programm die Reithalle. Es war ein großer Tag mit viel Publikum, aber allein schon durch die beinharte Kälte unvergesslich. Die Leihpferde hatten wir wieder nach Illertissen zurückgebracht und hatten der Reihe nach 5 eigene Pferde für den Verein gekauft. Lorenz Hagel und Fritz Kolesch waren nach Lüneburg gefahren und hatten dort mehrere Pferde aus Hannoveraner Zucht teils für den Verein, teils für private Besitzer eingehandelt. Die Reitervereinigung florierte und nahm Jahr für Jahr um etwa 50 Mitglieder zu.


Wir hatten um Biberach herum ein ideales Ausreitgelände in Wald und Flur. Vor allem an den Wochenenden machten davon viele Reiterinnen und Reiter Gebrauch. Bald begannen im Herbst auch die Hubertusjagden, teilweise im Gebiet um Sulmingen, teils bei Moosbeuren, Jagden in Schussenried, Ochsenhausen, im Illertal und vor allem auf der Ulmer Alb sind in unvergesslicher Erinnerung. Reitturniere wurden organisiert, offiziell Pferdeleistungsschauen genannt. Es fing sehr bescheiden an mit Prüfungen der Klassen A und L. Da der Besuch von auswärtigen Reitern sehr gut war, wagte man sich an die höhere Klasse M. Wie der Presse zu entnehmen ist, waren die ersten Turniere hervorragend besucht, von bis zu 3000 Zuschauern. Heutzutage ist so viel geboten, dass das Publikumsinteresse stark nachgelassen hat.
Zunächst fanden die Springprüfungen noch auf dem Sportplatz Gigelberg statt. Da dieser Platz aber immer härter wurde, schuf man in Eigenarbeit die Springmöglichkeiten im Gaisental. Später wurde auch ein Dressurplatz in der Größe 20 x 40 m neben dem Springplatz geschaffen.

Die finanzielle Lage war immer noch angespannt. Der jüngst verstorbene Direktor Otto Ehrhardt hat die Reitervereinigung hier sehr unterstützt. Mit Billigung seines Chefs Dr. Hans Liebherr half er bei der Hallenkonstruktion mit allen benötigten Stahlteilen. Die Stadt Biberach genehmigte erneut einen Zuschuss von 30.000 DM, so dass wir allmählich in die Lage versetzt wurden, die Kreditzinsen zu bedienen und die Kredite langsam abzubauen.

 

Teil 3 » Festerfahrungen

Für die Mitglieder der Reitervereinigung war und ist es eine Ehrenpflicht, zum Gelingen des Biberacher Schützenfestes beizutragen. Die Pony- Mädchen fuhren mit der Thurn – und Taxisschen’ Postkutsche und mit den kleinen Ponywagen der Trachtengruppen. Sorgfältig musste das Einfahren geübt werden. Die größeren Jugendlichen und viele Erwachsene gehörten den verschiedenen Reitergruppen des historischen Festzugs an. Eine wichtige Angelegenheit war für die Reitervereinigung der alljährliche Reiterball im Januar. Die ersten Anfänge geschahen im Bibersaal und im Hotel Rad. Dann wagte man sich in die Gigelbergturnhalle, wo der Ball bis heute verblieb. Neben einer guten Tanzkapelle war es immer wichtig, ein alternatives Programm zu bieten. Und das wurde abwechselnd von Jugendlichen und Erwachsenen, sehr unterschiedlich vom Gehalt, aber stets fröhlich und abwechslungsreich gestaltet.


Bald nach dem Bau der Reithalle wurde die Ausbildungsarbeit für einen nebenamtlichen Reitlehrer zu viel. Lorenz Hagel hatte einen guten Grund gelegt und zahlreiche begabte junge Reiter herangezogen. Er wurde dabei von den befähigten Reitern Otto Strohmaier und Bernd Reichle nach Kräften unterstützt. Aber nun musste ein hauptamtlicher Reitlehrer eingestellt werden. Der Reitlehrer Walter Moser und die Reitwartin Eleonore Bartsch waren ab 1965 in der Ausbildung tätig. Es folgte eine große Anzahl von immer wieder wechselnden Reitlehrern. Erst mit Andrea Berlin kehrte Ruhe ein. Sie war schon während ihres Studiums über längere Zeit als Ausbilderin tätig. Seit 1988 ist die diplomierte Pferdewirtin ununterbrochen die anerkannte Ausbilderin und Betriebsleiterin der Reitervereinigung Biberach.


Eine beachtliche Rolle spielte das Voltigieren, Gymnastik am gallopierenden Pferd. Wieder waren es vor allem die sportlichen jungen Mädchen, die sich hier hervortaten. Bedauerlich war es, dass es zeitweise sehr schwierig war, ein geeignetes Voltigierpferd zu finden. Eine Sonderleistung der Reitervereinigung war und ist das Therapeutische Reiten, wobei behinderte Kinder durch die Bewegung auf dem Pferd gelöster und gelockerter werden sollen.


Eine große Bedeutung haben die Ferienzeitkurse, die während der Oster-, Pfingst- und Herbstferien, vor allem aber während der Großen Ferien stattfinden. Die Kinder von 8 bis 15 Jahren lernen hier den Umgang mit den Pferden und sie bekommen in Theorie und Praxis die Grundbegriffe des Reitens beigebracht. Ein alljährliches Ereignis für die Freunde des Reitsports ist das Adventsreiten. Hier wird der Öffentlichkeit ein Querschnitt durch die Arbeit der Reitervereinigung gezeigt, wobei sich vor allem die Jugend der Öffentlichkeit präsentieren kann. Am Schluss kommt der Nikolaus in einer Kutsche in die Reithalle gefahren, um die Kinder mit kleinen Päckchen zu beschenken, die von den Damen des Vereins hergerichtet wurden.


Ein besonderes Vergnügen für die erwachsenen Reiter ist in der kälteren Jahreszeit das Musikreiten. Es ist ein Formationsreiten zu passender Musik in Schritt, Trab und Galopp, wobei die Reiterinnen und Reiter in schwarz-weiss gekleidet sind, die Damen mit Reitzylinder, die Herren mit Melone.

Eine Jagdhornbläsergruppe wurde von Heiner Zinken gegründet. Auf Jagdhörnern und Fürst-Pless-Hörnern haben es die Bläser unter der Leitung von Alois Hagel zu beachtlichen Kenntnissen gebracht. Sie treten auf bei Jagden, bei Turnieren und bei Hubertus- Messen, bringen aber auch verdienten Mitgliedern ein Ständchen zum Geburtstag.


Nun soll nach der Reihe der 1. Vorsitzenden der Reitervereinigung gedacht werden, die in einer vollkommenen Aufstellung auf Seite 8 (und auch die Reitlehrer) aufgeführt sind. Der Gründungsvorsitzende Fritz Kolesch musste 1969 sein Amt aufgeben, nachdem er 1969 Erster Vorsitzender der Schützendirektion geworden war und außerdem Mitglied des Gemeinderats war, beides sehr zeitaufwendige Ämter. Zwischendurch gab es einmal einen Dreier-Vorstand von drei gleichberechtigten Vorsitzenden, zuerst Fritz Kolesch, Arthur Handtmann und Dr. Dörner, danach Kolesch/Handtmann/Reichle. In dieser Zeit wurde auch das Reiterstüble in das obere Geschoss der Reithalle eingebaut, Arthur Handtmann unterstützte dabei den Verein finanziell und mit Sachleistungen.

Die längste Periode als 1. Vorsitzender absolvierte Bertram Bendixen, der mehr als 20 Jahre dieses aufwändige Amt versehen hat. Als er schließlich nach 21 Jahren amtsmüde war, stand der Verein vor dem großen Problem, wer die Nachfolge antreten sollte. Zum ersten Mal trat eine Frau an die Spitze des Vereins, Frau Dr. Elisabeth Isbary.

Es war ein Glücksgriff, denn sie erwies sich im besten Sinne des Wortes als eine Power-Frau. Sie ergriff mit großem Mut und bewundernswertem Einsatz die Riesenaufgabe einer Aussiedlung und eines Neubaus für die Reitervereinigung.

 

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