Reitervereinigung Biberach e.V.
Reitervereinigung Biberach e.V. 

QuickTipps

(zusammengestellt von unserem Mitglied Hanno Wolfram, staatl. gepr. Berufsreiter)

Die "Deutsche Reitkunst" haben eigentlich die Pferde erfunden.

Alles, was wir mit Pferden tun, liegt im Pferd begründet. Dressur ist nichts zirzensisches, sondern die Anwendung dessen, was das Pferd ausmacht und was es uns anbietet.
Deswegen sollten auch wir uns ständig verbessern. Im Sinne unserer Pferde.

Unsere Fachliteratur ist gefüllt mit Wichtigem und Wertvollen für die Reiterei im Alltag. Hier wollen wir in unregelmäßiger Folge Literaturstellen kurz und knackig zitieren und dabei zum reiterlichen Nachdenken anregen.
 

Fragen und Anregungen gerne.

Hier läuft etwas richtig falsch

Einfach zu erkennen, wenn man nur hinschaut und darauf achtet.
Bedeutungsvoll: ob der Schweif frei pendelt oder eben nach oben festgehalten wird, zeigt entweder Losgelassenheit (li.) oder das Gegenteil (re.)
Auch dieses Problem ist durch entsprechendes Reiten lösbar, wenn es als Problem erkannt ist.
 

Die Skala der Ausbildung

Die klassische Reitlehre funktioniert wahrscheinlich nur entlang dieser Schritte:

  • TAKT
    Gleichmaß aller Schritte, Tritte und Sprünge
  • LOSGELASSENHEIT
    unverkrampftes An- und Entspannen der Muskulatur, bei innerer Gelassenheit
  • ANLEHNUNG
    stete, weich federnde Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul
  • SCHWUNG
    Übertragung des energischen Impulses aus der Hinterhand über den schwingenden Rücken auf die Gesamt-Vorwärts-Bewegung des Pferdes
  • GERADERICHTUNG
    gleichmäßiges Gymnastizieren beider Körperhälften zum Ausgleichen der natürlichen Schiefe des Pferdes
  • VERSAMMLUNG
    leichtfüßiges Ausbalancieren auf kleinerer Grundfläche mit energisch herangeschlossenen Hinterbeinen in selbst getragener Haltung

Mehr dazu hier:
https://www.pferd-aktuell.de/grundausbildung/ausbildungsskala/ausbildungsskala 

Erster Quicktipp: Reiten / Training planen

FN-Aufgabenheft: Die ethischen Grundsätze des Pferdefreundes
Das Wissen um die Geschichte des Pferdes, um seine Bedürfnisse sowie die Kenntnisse im Umgang mit dem Pferd sind kulturgeschichtliche Güter. Diese gilt es zu wahren und zu vermitteln und nachfolgenden Generationen zu überliefern.

Anlass für den ersten Quicktipp war ein Interview mit Jessica v. Bredow-Werndl. (ReiterRevue 8/2018, Seite 27)
Frage: ... Wie oft ... arbeiten sie Ihre Pferde an der Longe ... ?  - Antwort:  "Das kommt aufs Pferd und auf den aktuellen Trainingsplan an. ..... "

Der Kern von Jessicas Antwort, (deren Schwiegervater mein Lehrmeister war) ist das Wort Trainingsplan.
"Who fails to plan, plans to fail." ist ein dazu passender und sehr berühmter Satz. Eigentlich kann man sich und sein Pferd nur wirklich entwickeln, wenn man Trainingsschritte mit einem Ziel in einer Zeitreihe plant. Ungeplantes Ich reite halt, wie immer. führt nicht wirklich weiter.

Hier sind zwei Beispiele für geplantes Training:

Trainingskonzept (nicht nur) für den Winter

Aus dem Forum für "Persönliche Mitglieder", mit freundlicher Genehmigung der FN (Deutsche Reiterlichen Vereinigung)
Zum Lesen muss man den Artikel herunterladen. Es lohnt sich!
PM-Forum 2-2019 Training im Winter.pdf
PDF-Dokument [1.4 MB]

(M)ein Trainingsplan

Montag: Dressur

Ziel: nach der Stunde soll die Muskulatur der Hinterhand genauso warm oder geschwitzt sein, wie die an Hals und Vorhand.

Da etwa 2/3 des Pferdegewichtes auf der Vorhand und 2/3 auf der viel stärker bemuskelten Hinterhand lasten, ist das Schwitzen der Hinterhand ein wichtiger Indikator, dass die Hinterhand aktiv war, bzw. ist. Zur Dressurausbildung bedarf es zu allererst einer gut trainierten Tragkraft der Hinterhand. Der Unterschied ist die nötige Schnellkraft für das Springreiten. Kondition benötigen Pferde für beide Disziplinen gleichermaßen.

Dienstag: Longieren

Ziel: alle drei Gangarten in Stellung und Biegung, wobei vor allem in Schritt und Trab die Hinterhand deutlich über die Vorhand hinaustritt.

Longieren im engeren Sinne bedeutet Arbeit (auch für den Longenfügrer) mit einem ausgebundenen Pferd. Am Halfter laufen lassen ist etwas anderes. Auch beim Longieren gibt es "Hilfengebung". Die Stimme, die ausreichend lange Peitsche und die Longe selbst.  Mit dem Handy filmen und das "Übertreten" später in Zeitlupe anzuschauen, ist ein einfaches Mittel, Trainingserfolg überprüfen zu können und schult das eigene Auge.

Wie weit ist das "Übertreten" in dem Foto erfüllt? oder  "Wie klar ist der 2-Takt des Trabes erkennbar?"
Antworten siehe unten

Mittwoch: Springtraining

Ziel: Für mich und das Pferd erfühlbar machen, dass die "Schnellkraft" der Hinterhand gefördert wird.

Das gelingt z.B., wenn man auf dem Zirkel aus dem Trab in den Trab springt.
Anreiten im Trab und unmittelbar nach dem Landen, sofort wieder Trab. Die halbe Parade in großer Ruhe. Zwei übereinanderstehende Cavalettis (ca. 1m) sollten völlig ausreichen.
Vielleicht is ein einzelnes Cavaletti als In-Out 3,50m vor dem kleinen (1 m) Sprung fur den Rhythmus sinnvoll? Unmittelbar nach der Landung soll das Pferd wieder im Trab sein.
Ca. 5 Wiederholungen am Stück sind ein gutes Pensum. Danach Handwechsel. Bei den letzten Wiederholungen sollten die Einwirkungen des Reiters fast symbolisch sein.

Donnerstag: Vorwärts-Abwärts Reiten

Ziel: Das Pferd soll in beiden Maulwinkeln deutlichen Schaum entwickeln.

Die Schaumspur soll dabei an den Maulwinkeln(!) beginnen. Das nennt man "Kauen". Kauen in diesem Sinn bedeutet nicht, dass ein Pferd wirklich seinen Kiefer bewegt. "Eine sichtbare Kaubewegung ist der kleinere Fehler." steht z.B. in den Richtlinien für Reiten und Fahren.  Eine besonders wichtige Voraussetzung dafür ist das Heranholen der Hinterhand unter den Schwerpunkt des Pferdes. Energisches Treiben ist angesagt: nicht schneller, sondern weiter nach vorn sollen die HInterbeine treten.  Der Schenkel liegt dabei vorne / am Gurt. Ob und wi weit dies klappt, muss ein Sachkundiger / ReitlehrerIn während des Reitens prüfen. 

Dehnungsrichtung und Haltung des Pferdes entsprechen der Aufnahme einer Möhre vom Boden. So wie sich das Pferd dort nach unten dehnt, sieht Vorwärts-Abwärts etwa aus.

Freitag: Dressur

Ziel: Jede Woche eine andere / neue Lektion reiten, üben und verfestigen. Die korrekte Hilfengebung selbst vorher wieder mal nachlesen. Das "LPO-Aufgabenheft" ist mit Abstand die beste Quelle dafür: jedes Wort zählt und muss verstanden sein. Man kann dies auch gemeinsam mit anderen ReiterInnen lesen und in den Alltag übersetzen.

Samstag: Gelände / draußen

Ziel: Entspannung und Genuss für Pferd und ReiterIn.
Sämtliche Lektionen und Übungen aus der Reithalle kann man auch draußen reiten. Der "hingegebene, lange Zügel", verbunden mit einem zügigen Schritt ist eine wertvolle Lektion.Das Ohrenspiel des Pferdes und seine dressurmäßige Haltung sind Maßstab aller Dinge. Übrigens: Das normale Schritttempo eines Pferdes liegt bei 6 bis 8 km/h = wesentlich mehr als ein Fußgänger!

Sonntag: Cavaletti-Gymnastik

Ziel: Umfassende Entspannung des schwingenden Pferderückens.

Unterstützt durch die Verlängerung von Schritten, Trabtritten und Galoppsprüngen mit HIlfe von Cavalettis oder Stangen. Der schwingende Rücken hinter dem Sattel muss von einem Sachkundigen / ReitlehrerIn während des Reitens überprüft werden. Kunststoffstangen wie z.B. "Schwimmnudeln", anstatt hölzenre Stangen auf dem Boden, verhindern zuverlässig Pferdeverletzungen und sind leicht zu verschieben. Korrekte Abstände sind wichtig.

Antworten auf die Fragen vom Dienstag:
Das Hinterbein wird nur in das Trittsiegel des Vorderhufs treten. Über-treten ist eher nicht erkennbar.
Der Zweitatkt des Trabes bedeutet synchrones Auf- und Abfußen der diagonalen Beinpaare. Der linke Vorderhuf ist etwas weiter in der Abfußbewegung, als das rechte HInterbein.

Grundlagen

Die sog. "Deutsche Reitkunst" wurde mit der Heeresdienstvorschrift 12 aus dem Jahr 1937 begründet. In dieser Vorschrift war der Umgang mit den Pferden und das Reiten für alle Soldaten verpflichtend beschrieben. Ziel war es  jedes Pferd so lange wie möglich gesund zu erhalten. Damals hing das Überleben der Soldaten von gesunden Pferden ab. Aus der Heeresdienstvorschrift entstanden die Richtlinien für Reiten und Fahren. Damit war der Grundstein für die Deutsche Reitkunst und Deutschlands erfolgreichste Sportwart gelegt: das Reiten. Bis heute geht es um die Gesunderhaltung unserer Pferde.

Die Voraussetzungen für Gesundheit und Leistungsbereitschaft unserer Pferde haben sich seitdem nicht verändert. Kenntnisse, Fertigkeiten und Einstellungen von Reiterinnen und Reitern aber schon. Auch die gesamte Biomechanik und der Zusammenhang zwischen Hankenbeugung und der Gesundheit der vorderen Extremitäten, gelten weiterhin.

Die Essenz aller Lektionen, die optimale Hilfengebung und viele weitere Details, haben ihren Weg von der Heeresdienstvorschrift in das Aufgabenheft der L(eistungs)P(rüfungs)O(rdnung) gefunden. Dies gilt vor allem für die ersten Seiten. Das Aufgabenheft ist eine der wertvollsten Lektüren für Reiter. 

Aus dem LPO Aufgabenheft: 
3.2 Aussehen und Eigenschaften des gerittenen Pferdes
.... Das Pferd lässt den Reiter angenehm sitzen und folgt gehorsam und vertrauensvoll dessen Hilfen. Es bewegt sich im Gleichgewicht. Sein Rahmen und seine Haltung entsprechen den gestellten Anforderurngen und dem jeweiligen Versammlungsgrad unter Berücksichtigung der körperlichen Voraussetzungen. Das Genick ist stets der höchste Punkt und die Stirn-Nasenlinie bleibt etwas vor oder höchstens an der Senkrechten.

Besonders lesenswerte Stellungnahmen der FN, der FEI und anderer zum Thema "Rollkur", zu tiefes Einstellen bzw. Hyperflexion eines Pferdehalses stehen hier. 

Weltmeisterliches

"Nimm die Beine vor. Da hinten merkt das Pferd nichts!"
sagte Simone Blum, aktuelle Weltmeisterin der Springreiter, bei ihrem Springlehrgang im Januar 2019 in Dunzenhausen.

Beim Springen verursacht der (zu weit) hintenliegende Unterschenkel auch Unsicherheiten:
Wenn ein Pferd stolpert oder nach dem Sprung heftig landet, eröffnet der vorne liegend Schenkel die Möglichkeit, das Reitergewicht abzufangen. Das Risiko des "vorn-über-kippens" entfällt.

Richtiges Vorwärts-Treiben geht ebenfalls nur mit einem vorne (am Gurt) liegenden Schenkel.
 

"Hier geht Treiben" könnte ein passender Kommentar zu diesem Bild lauten.

 

Ein Foto im Trab aus Harry Boldt "Das Dressurpferd", gibt Hinweise darauf, wo der treibende Reiterschenkel liegen sollte, damit das Pferd "etwas merkt." Je weiter hinten, desto weniger merkt das Pferd.

Seine eigene Schenkellage zu überprüfen ist wichtig und einfach: Foto oder Video mit dem Handy machen lassen,  anschauen und ggf. korrigieren. 

 

Trainingsideen für ReiterInnen selbst

Quicktipps für Dressur-ReiterInnen

Das Pferd ist ausnahmsweies mal "egal": es geht nur um die eigenen Fertigkeiten.

Sicherstellen, dass man niemanden gefährdet!

In einer beliebigen Gangart :

  1. Augen schließen und laut "jetzt" sagen, wenn das äußere Vorderbein abfußt.
    Das geht im Trab am Einfachsten. In Galopp und Schritt sollte das auch klappen.
     
  2. Im Schritt und mit geschlossenen Augen die vier (hoffentlich gleichlangen) Schrittakte mitzählen. 1-2-3-4.
     Ziel sollte es sein, zu erfühlen und danach zu wissen, welches Bein sich gerade nach vorne bewegt bzw. abfußt.


Die Kontrolle geht gut mit einem Außenstehenden oder Handyvideo.

Quicktipps für Spring-ReiterInnen 

Das Pferd ist ausnahmsweies mal "egal": es geht nur um die eigenen Fertigkeiten.

Sicherstellen, dass man niemanden gefährdet!

Im Trab (leichter Trab) Zügel loslassen, auf den Hals legen oder verknoten:

  1. mit gefalteten  Handen auf dem Rücken!

    Wenn man das gleiche Im Galopp versucht, im "leichten Sitz" oder im "Entlastungssitz". wird sich das Gefühl für die Pferdebewegung und damit die Hilfengebung wesentlich verbessern.
     
  2. Kurven, z.B. Schlangenlinien oder Wechsel durch die Ganze Bahn ohne Zügel reiten. Das Abwenden des Pferdes nur mit Gewicht und Schenkel auslösen oder beenden. Trab oder Galopp im leichten- oder Entlastungssitz geht das am besten.

Die Eigenkontrolle geht gut mit einem Außenstehenden oder Handyvideo

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